Lesesessel-Details

Der Gesang der Flusskrebse von Delia Owens

von Silke Richter

Hanserblau Verlag

Ein hoher Maßstab für die folgenden Titel ist gesetzt, denn ich nehme es vorweg: dieses Buch unbedingt lesen!

Die Geschichte beginnt mit der rauen Kindheit von Kya- dem Marschmädchen. Delia Owens beschreibt Kyas Leben in so wunderbaren Bildern, dass ich vom ersten Kapitel an, mit ihr im Marschland unterwegs war. Kya hat es nicht leicht, sie erlebt eine Kindheit, die uns wohl als ungeheuer erscheint. Häufig habe ich beim Lesen darüber nachgedacht, ob ein so junges Kind tatsächlich diese Umstände überstehen würde.

Das Marschmädchen muss schnell vollkommen selbstständig ihr Leben bewältigen. Nicht immer ist es einfach und sie hadert manchmal über ihr Schicksal. Doch sie will Leben, sie wird immer besser. Und sie kämpft sich durch ihre raue Wirklichkeit, sie überlebt. Diese ersten Jahre, die sie alleine in Ihrer Hütte verbringt, alleine mit der Natur und mit nur sehr wenigen Freunden, diese Zeit prägt sie. Kya wird nicht Menschenscheu- obwohl ihr Umfeld nur sehr dürftig Hilfe anbietet. Nur wenige Menschen unterstützen das Marschmädchen und Kya lernt schnell, dass sie einzig sich selbst vertrauen kann.

Kya lebt in der Natur des Marschlandes und von der Natur des Marschlandes. Im Laufe der Jahre wird sie zur Expertin, hat die Begabung Dinge zu sehen und zu beobachten. Kennt ihre Umgebung wie kein anderer Bewohner des Marschlandes. Je älter Kya wird, umso größer wird auch die Sehnsucht nach Freunden und Gesprächen. Der Wunsch nach der Liebe wächst. Sie lässt sich auf eine Beziehung ein, diese gestaltet sich, für den Leser vorhersehbar, als sehr schwierig. Wieder erkennt Kya, dass sie ihr Glück in ihrer eigenen Welt, rund um Ihre Hütte im Marschland findet und ihr der Zutritt zur „normalen Welt“ versagt bleibt.

Doch dann passiert ein Unglück und das Buch erhält eine Wendung. Unglück oder Verbrechen. Kya wird gezwungen ihr Marschland zu verlassen. Geschickt wird mit dem neuen Thema ein Spannungsbogen aufgebaut. Jetzt werden Bilder aus der Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpft. Jede Figur wird in den Zeilen lebendig- jede Person erhält einen Charakter, ein Gesicht.

Man liest die Seiten und ist mitten in der Geschichte, man fährt mit Kya auf ihrem alten Boot durch die Marsch, meint die Vögel zu hören und die Wellen in der Bucht zu sehen. Und doch weiß man einfach nicht, was wirklich in dieser einen Nacht am Feuerwachturm passiert ist.

Die Geschichte wird zum Krimi und zum Gerichtsdrama, doch sie bleibt auch ein Liebesroman und ist gleichzeitig eine wunderbare Erzählung. Bis zum letzten Kapitel behält sie ihren Zauber und ihre Spannung.

Der Gesang der Flusskrebse ist ein Buch zum Abtauchen aus dem Alltag. Die Worte produzieren Bilder im Kopf, Bildern vom Marschland und all seinen Bewohnern und vom Zauber der Natur.

Vielleicht wird dieses Buch verfilmt, dann muss ich überlegen, ob ich mir „meine Kya“, mein eigenes Kopfkino vom Marschmädchen verwahren werde. Dieses Buch hat eine ganz eigene schöne Stimmung und es ist wundervoll, Kya wie eine unsichtbare Freundin zu begleiten.

Viel Spaß beim Lesen wünscht euch
Silke

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